Mitgliederversammlung des BHSB fordert Lösungen gegen EU-Personalknappheit

Heftige Diskussionen auch in der Pause
Pausendiskussion mit der Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft ausländische Pflegekräfte BAGAP, Frau Isabell Halletz, Michael Gomola, Gerriet Kriele, Agata Dukat (v.li.)

Am 08. November 2019 fand in Berlin die zweite Jahrestagung des BHSB Bundesverband häusliche SeniorenBetreuung e.V. statt. Vorsitz, Mitglieder und Berichterstatter fokussierten im offenen Austausch insbesondere die Problematik des Personalmangels in der häuslichen Seniorenbetreuung. Während sich eine Familie vor zehn Jahren noch aus vier bis fünf Personalien eine passende Betreuungskraft aus Osteuropa aussuchen konnte, hat eine verfügbare Kraft heute die Wahl aus zehn bis zwölf an einer Seniorenbetreuung interessierten Familien. Fällt die Wahl auf eine Familie, gehen neun oder zehn Senioren zunächst leer aus, müssen überbrücken oder bleiben ohne Betreuung.

 

Dass sich das Blatt grundlegend gewendet hat, ist auch am Betreuungsmarkt nicht spurlos vorübergegangen. Betreuungskräfte haben heute dank Pflegenotstand und Fachkräftemangel die Qual der Wahl. Es liegt in der Natur der Dinge, dass sich die Betreuungskräfte dann auch eher die unkomplizierten Aufträge auspicken und diese den arbeitsintensiven Betreuungen mit hohem Pflegegrad vorziehen.

 

Preise für Seniorenbetreuung steigen

 

Erfreulich ist, dass die Mitglieder des BHSB berichten konnten, dass sich keine Betreuungskraft ausgebeutet fühlt oder als unterbezahlt einzustufen wäre. Ganz im Gegenteil übersteigen in einer praxisnahen Beispielrechnung die Nettoentgelte der Betreuungskraft sogar das Nettogehalt einer Vollzeit arbeitenden Zahnarzthelferin in Deutschland. Und diese profitiert im Gegensatz zur Betreuungskraft aus Osteuropa weder von freier Logis, noch von freier Kost.

 

Durch die allgemeine Personalknappheit in der Betreuungsbranche sind auch die Kosten für eine Seniorenbetreuung gestiegen, was sich leider auch beim Schwarzmarkt bemerkbar macht und diesem wieder mehr Zulauf beschert.

 

Rekrutierung von Betreuungskräften aus den Nicht-EU-Ländern

 

Die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft ausländische Pflegekräfte BAGAP, Frau Isabell Halletz, hat auf der Mitgliederversammlung einen Vortrag u.a. über die Einflüsse des demographischen Wandels auf die Seniorenbetreuung gehalten, der in regen Diskussionen endete. Alle Mitglieder sind sich einig, dass das europäische Ausland den Bedarf an Betreuungskräften im Jahr 2020, spätestens aber in 2021, nicht mehr decken kann.

 

Vor allem Polen ist in den vergangenen Jahren seit dem EU-Beitritt wirtschaftlich stark gewachsen, was die Anzahl der verfügbaren Betreuungskräfte kontinuierlich verschmälert. Stark angestiegene polnische Mindestlöhne, Kindergeldzahlungen und eine sehr geringe Arbeitslosigkeit machen Arbeit in deutschen Haushalten deutlich weniger attraktiv.

 

Der BHSB fordert dringend politische Unterstützung, um die Versorgung von deutschen Senioren zu gewährleisten. Eine Möglichkeit wäre die Vereinfachung der legalen Einwanderung von Betreuungskräften aus Nicht-EU-Ländern.